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Zillertaler Bergfrühstück am Spieljoch

Zillertaler Bergfrühstück am Spieljoch

06:30. Der Wecker klingelt. Warum habe ich mir das noch einmal genau angetan? Jetzt, mitten in der Urlaubszeit? Die Kinder sind auf Sommerfrische bei Oma und Opa, meine Frau ist auf Fortbildung. Ich hätte also allen Grund einmal die sprichwörtliche Seele baumeln zu lassen und lange zu schlafen. Stattdessen habe ich mir vorgenommen, heute zum Zillertaler Bergfrühstück zu gehen. Eigentlich völlig absurd. Übermüdet schleppe ich mich ins Badezimmer. Ich hätte gestern doch früher schlafen gehen sollen.

Geht es euch eigentlich auch so? Wenn ich in der Früh aufstehe, dann ist mein Kopf primär leer. Absolut leer. Aber nicht nur das. Ich bin in einer ganz fundamentalen, total skeptischen Haltung. Am liebsten würde ich alles, was ich in der Früh ausgemacht hatte, kurzerhand absagen und mich noch einmal ins Bett legen.

Nach der ersten Tasse von einem sehr starken Kaffee ändert sich aber alles grundlegend. Langsam kommen mir die Gründe wieder in den Sinn, warum ich dies oder das im Heute geplant hatte. Langsam sehe ich wieder einen Sinn in meinem durchgeplanten Tag.

Heute trinke ich nur einen Kaffee, esse nichts dazu. Schließlich möchte ich bereits um 08:30 bei der Bergstation am Spieljoch in Fügen sein, wo das Zillertaler Bergfrühstück auf mich wartet. Der Grund, warum ich dieses fest eingeplant hatte, wird mir wieder klar: Ich wollte dem „Frühstücks-Alltag“ entkommen! Statt meine eigenen vier Wände anzustarren wollte ich lieber das Panorama vom Spieljoch in Fügen aus genießen!

Aus meiner Sicht ist es nämlich wichtig, bei den ganz alltäglichen und ritualisierten Aspekten des Lebens Abwechslung reinzubringen. Wochenlanger Urlaub, schön und gut. Aber was ist dann, wenn man wieder zuhause im Alltag sitzt? Meine These ist einfach: Lieber mal den Alltag auffrischen, dann klappt es auch mit der Lebensfreude! Gedacht, gesagt, getan, schon war ich damals, bei ähnlichen Gedanken, zum Zillertaler Bergfrühstück am Spieljoch angemeldet.

Zillertaler Bergfrühstück
Auffahrt zum Zillertaler Bergfrühstück mit der Spieljochbahn

Auf zum Zillertaler Bergfrühstück am Spieljoch in Fügen!

Ich machte mit also auf dem Weg zu meinem Auto auf dem Weg ins Zillertal. Mittlerweile ganz und gar nicht mehr verschlafen, sondern erfüllt mit dem Gedanken, meinen Alltag aufzupeppen. Wenig später war ich auch schon an der Talstation der Spieljochbahn. Die Auffahrt zum Zillertaler Bergfrühstück war wunderschön.

Das Panorama war, untertrieben gesagt, doch etwas beeindruckender als der Weg, den ich normalerweise bis zum Frühstückstisch zurücklegte. Ich tauschte an diesem Tag überaus bereitwillig den Blick auf meinen Küchentisch und auf meinen Kühlschrank gegen den Blick aus der Gondel. Nebelschwaben, die Sonne setzte sich langsam durch. Bald würde ich auf rund 1.800 m sein. Die letzten Reste von Müdigkeit und Trägheit waren der freudigen Erwartung auf das Zillertaler Bergfrühstück in der Höhe gewichen.

Oben angekommen wurden dann meine Erwartungen vollständig erfüllt. So hatte ich mir ein Bergfrühstück vorgestellt! Nicht überkandidelt, aber ehrlich, authentisch und mit Produkten aus der Region. Angefangen vom Käse über den Speck bis hin zu der Heidelbeer-Marmelade: Alles schmeckte echt und ganz und gar nicht künstlich. Mit abgepacktem Schinken, vorgeschnittenem Käse oder ähnlichem mochte man anderswo Erfolg haben. Hier am Spieljoch setzte sich, zum Glück, die Echtheit und die Regionalität durch!

Der Blick vom Frühstückstisch, der in diesem Fall eine stilechte Bierbank war, wanderte über die Weiten des Spieljochs. So geht sie also, die Perspektivenverschiebung! So kann man also mit ein paar Kilometern Fahrt ein völlig neues und anderes Lebensgefühl erhaschen. So fühlt es sich also an, wenn sich in der Früh bereits der Blick weitet und sich nicht verengt!

Zillertaler Bergfrühstück
Mein Ausblick vom Spieljoch ☺

So ist ein Morgen, mit dem der Tag bereits gut beginnt. Ein Morgen, der die Stimmung für den restlichen Tag setzt. Eine eigentlich paradoxe Situation. Denn obwohl sich der Blick so extrem weitet wird der Blick fokussierter, klarer. Ich wusste plötzlich, was wichtig ist und was nicht. Mir war urplötzlich klar, was mich frei und kreativ machte, was mich daran hinderte und was mich im Leben grundsätzlich hemmte.

Nach dem Frühstück „wanderte“ ich noch gut 10 Minuten bis zum Gipfelkreuz hinauf. Ich blieb eine gute halbe Stunde dort sitzen um den Blick auf Fügen hinunter zu genießen. Langsam lichteten sich die Wolken, die Sonne wurde stärker und stärker. Die Probleme da drunten, quasi im Alltag, kamen mir verschwindend klein und unwichtig vor. Ja, ich war glücklich. Ich hatte hervorragend gefrühstückt und mir war klar geworden, dass es hier noch ein Frühstück gab, das nicht auf eher mittelmäßige Produkte setze, sondern auf Qualität und auf Authentizität. Und natürlich auf Regionalität! Aber nicht nur das: Ich hatte mir auch selbst bewiesen, dass oftmals ein kleiner Perspektivenwechseln zum absoluten Glück führen konnte.

Mein Tipp an euch ist also denkbar einfach: Weg vom Alltag, weg von eurem immer gleichen Frühstückstisch, den ihr mittlerweile vielleicht gar nicht mehr sehen könnt. Hinauf aufs Spieljoch! Dort seht ihr die Dinge mit anderen Augen!

Ich hatte mir für den weiteren Tag wenig vorgenommen. Noch ein wenig E-Biken im Zillertal gehen. Denn weniger ist mehr. Die bewusste Reduktion der Tätigkeiten führt dazu, dass man die wenigen Dinge, die man macht, gewissenhafter macht und auch wirklich genießt.

Ich kam ein wenig „weiser“ zurück bei der Talstation der Spieljochbahn an. Und das ist doch schon mal was, oder? Und das Beste an der Sache: Ihr könnte es mir nachmachen. Denn sowohl am 14. sowie am 21.08.2015 (jeweils Freitag) lässt sich das Zillertaler Bergfrühstück noch genießen. Alle Infos dazu findet ihr auf der Homepage der Spieljochbahn.

Und wer weiß: Vielleicht sehen wir uns dann beim nächsten Zillertaler Bergfrühstück auf dem Spieljoch in Fügen? Ich lasse mir eine weitere Möglichkeit dem Alltag mit einfachen Mitteln zu entfliehen nämlich ganz sicher nicht entgehen…

Fotos: Markus Stegmayr

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