Land & Leuttourdata

Warum der Palmesel heutzutage nur 2 „Haxen“ hat!

Palmesel zu Ostern

Trotz leichten Schneefalls müssen wir heute noch raus! Unser fünfjähriger Maximilian braucht unbedingt „Buschen“ und das heute noch – da gibt es kein Entkommen. Hmm…. ehrlich gesagt geh ich heute nicht mehr so gerne raus … Aber da ich als Tirolerin die Bräuche um Ostern sehr liebe nützt es gar nichts, denn besonders bei uns im Zillertal werden die Traditionen mit großem Enthusiasmus gelebt.

Der Hund muss sowieso raus und so verbinden wir das Nützliche mit dem –  ja  Nützlichem :-)

Jetzt wo wir schon mal draußen sind, macht es mächtigen Spaß. Die Frühlingsknotenblumen spitzen schon aus der Erde und hie und da blüht schon ein Krokus. Also müssen die Palmkätzchen auch schon zum Abschneiden so weit sein. Das unverkennbarste Zeichen aber, dass der Frühling Einmarsch im Zillertal hält, ist das so mancher Skifahrer und Snowboarder mit einer sonnenverbrannten Nase zurück ins Tal kommt. Sieht witzig aus. Jedoch ist Sonnenschutz gerade jetzt angesagt.

Palmesel zu Ostern
Palmsonntag im Zillertal

Von Frühjahrsmüdigkeit ist hier im Tal nicht zu spüren! Maxi plappert nur so drauf los. „Gell Mama, jetzt kommt dann der Osterhase. Gell Mama vorher müssen wir eine Palmstange binden. Gell Mama, i werd` kein Palmesel!!! ….“  Nein sicher nicht tröste ich ihn schon mal vorab und er hört mir ausnahmsweise ganz aufmerksam zu, als ich erzähle:

Die Fastenzeit ist nun bald zu Ende und wir beginnen mit den bei uns im Zillertal traditionellen Osterbräuchen. Anfangen werden wir mit dem Palmsonntag. Eine Woche später kommt dann auch schon der Osterhase. Wir feiern mit unseren „Palmbuschen“ den Einzug von Jesus in Jerusalem. Mit unserem schönsten „Feichtagwond“ (= Feiertagsgewand: Zillertalertracht, Lederhose und alles was dazugehört) gehen wir zur Palmsonntagsprozession. Da es bei uns im Zillertal natürlich keine Palmen gibt, binden wir unsere Sträuße aus Immergrün, Buchszweigen und Palmkätzchen zusammen.

Für die Mädchen werden kleine Sträußchen gebunden, mit bunten Bändern und selbst gebackenen Palmbrezeln schön verziert und für die…. Jaaaa, unterbricht mich der Zwerg: „Für die Mädels, is a Sträußerl genug! Aber für die Buam gell Mama, da brauchen wir noch eine ganz lange Stange!“

Palmesel zu Ostern
Palmsonntag im Zillertal

Ich bin ein Palmesel

Natürlich! Für unseren kleinen Tiroler Draufgänger ist nicht das fein verzierte Palmsträußlein von Bedeutung, sondern die Holzlatte, an der dieses befestigt wird. Jeder Zillertaler Bursch ist bestrebt, durch die Länge der Stange aufzufallen. Also je länger, desto besser. In vielen Familien werden die Stangen über Generationen weitergegeben. Für unseren Kleinen genügt dieses Jahr noch ein etwas kürzerer Stock. Manch Palmträger hatte schon so seine liebe Not, die bis zu 10 m langen Stangen in das Kirchenschiff zu manövrieren. Da wundert’s einen nicht, das da schon manch ein Malheur passiert ist. Wehe dem, der die Palmstange umfallen lässt. Nach einem solchen Missgeschick ist einem der Spott sicher und man ist der diesjährige Palmesel.

Palmesel zu Ostern
Palmsonntag im Zillertal

Bei uns zuhause gibt es allerdings sowieso jedes Jahr einen „Palmesel“.  Das ist nämlich der, der am Palmsonntag zuletzt aus den Federn kommt!

Die geweihten Palmbuschen und Palmstöcke werden nach Hause gebracht und schützen Haus und Hof vor Unheil. Beim ersten Unwetter des Jahres werden die trockenen Buschen verbrannt und die Asche bis Aschermittwoch aufbewahrt, um den Kindern dann ein Kreuz auf die Stirn zu zeichnen.

Da wir Zillertaler unsere Bräuche lieben, werden wir auch nicht müde. Gleich eine Woche später geht’s zum fröhlichen Eiersuchen und wir können miteinander „Eierbecken“. Ein beliebtes Spiel im Zillertal bei Alt und Jung. Dabei schlagen zwei Spieler die Spitzen ihrer Eier aufeinander und wessen Ei ganz geblieben ist, der erhält als Preis das Ei des anderen.

So haben es schon meine Urgroßeltern gelebt und ich hoffe so leben es auch noch meine Urenkel … weil`s einfach schön ist!

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