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Tipps vom Meister: Doppelweltmeisterin Lea Geiger & das Einmaleins des Rodelns.

Ja, Rodeln ist ein Wintersport, nicht nur ein Zeitvertreib. Wie man richtig auf einer Rodel sitzt und mit den Begrifflichkeiten des Rodeljargons umgeht, verraten an dieser Stelle Johannes und Lea Geiger. Eine Familie, deren Auszeichnungen, Medaillen und Ehrungen im Rodelsport ihre Kompetenz mehr als bestätigen.

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Rodeln mit Weltmeisterin Lea Geiger, Foto: Kristina Erhard

„Anmutig und mit stählern’n Kufen, scharrt der Rodler mit den Hufen. Stolzgeschwollen im Gebrest, er seine Rodel gleiten lässt.“ Ja, Rodeln ist ein Wintersport, nicht nur ein Zeitvertreib. Wie man richtig auf einer Rodel sitzt und mit den Begrifflichkeiten des Rodeljargons umgeht, verraten an dieser Stelle Johannes und Lea Geiger. Eine Familie, deren Auszeichnungen, Medaillen und Ehrungen im Rodelsport ihre Kompetenz mehr als bestätigen. Das durfte die Autorin dieser Zeilen live auf der Naturrodelbahn Goglhof in Fügen erfahren. Soviel sei verraten: Rodel ist nicht gleich Rodel.

Geht der Elch rodeln, tut er jodeln…

Die Herkunft des Rodelsports ist genauso umstritten wie die Ursprünge des Skifahrens. Mit einiger regionalstolzer Vehemenz ist das Rodeln in seinen Anfängen den Tiroler Bergbauern zuzuordnen, die den sogenannte „Ziehschlitten“ nutzen, um im Winter Heu ins Tal zu führen. Unbestritten jedoch ist, dass das Sportrodeln im Jahr 1979 offiziell in den Olymp der Wettkampfsportarten aufstieg und einigen Tiroler Rodlern – so auch der Familie Geiger aus dem Zillertal – Ruhm und Ehre brachte. Dabei ist der schiere Terminus schon gar nicht so einfach: Unterschieden wird dabei zwischen dem Sportrodeln auf Eis und auf Schnee. Auf letzterem spielt sich die Freizeit-taugliche Rodel-Variante ab, die mit einer Sportrodel, einem Schlitten bzw. einem Bock ausgeübt werden kann.

In der Umgangssprache werden die Begriffe „Schlitten“ und „Rodel“ oft gleichbedeutend verwendet. Auch die Äußerlichkeiten von Schlitten und Rodel mögen ähnlich sein. Wie immer kommt es jedoch auf die inneren Werte an. Der klassische Schlitten ist in seiner Konstruktion starr und seine Kufen rund aufgebogen. Die Rodel ist hingegen flexibel konstruiert und verfügt je nach Zweckdienlichkeit (Rodeln auf Eis oder Schnee) über unterschiedlich ausgeprägte, schräggestellte Kufen. Die Schrägstellung der Kufen bewirkt, dass die Rodel auf der Innenkante steht. So ist der Reibungswiderstand wesentlich geringer, die Spurführung hingegen wird optimiert. Soviel zu den Grundlagen, aber auch eine Rodel braucht seinen Meister…

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen…

Renn- und Sportrodeln von Johannes Geiger, Foto: Kristina Erhard
Eine Rodel allein reicht nicht: Um optimal auf Schnee oder Eis rodeln zu können, muss man sich den jeweiligen Bedingungen anpassen können.

Als eingefleischter Naturrodel-Fan samt Mitgliedschaft in einem Tiroler Hobbyverein, war ich der Annahme, den Rodelsport in seinem Ganzen schon längst erfasst zu haben. Mitnichten. Johannes Geiger führt mich in seine private Werkstätte. Hier werden nicht nur diverse Sport- und Rennrodeln für ebenso diverse klimatischen Bedingungen aufbewahrt, sondern jede einzelne Schiene (die auf die Kufen montiert wird – Anmk. d. R.) in konzentrierter Handarbeit gewachst und hergerichtet. Ich erspare mir hier den Ausflug in das Detail, denn ein wenig später finde ich mich mit Lea Geiger, ihrem Vater, einer Sportrodel mit Schneetauglichkeit und einem Bock auf der Rodelbahn in Fügen wieder.

Grundausrüstung Rodeln, Foto: Kristina Erhard
Lea Geiger macht alles richtig. Die Doppelweltmeisterin trägt einen Helm, einen Rückenprotektor und sogenannte „Torkeln“ – Rodelschuhe mit Bremsplatten an den Fersen.

Zur Grundausstattung eines (Hobby-)Rodlers gehören ein Helm, ein Rückenprotektor und ein profilierter, mindestens Knöchelhoher Freizeitschuh. Der motivierte Rodler montiert sich Bremsplatten oder Spikes auf seinen Schuh – allerdings in einem flachen Winkel, ansonsten besteht hier höchstes Verletzungsrisiko. Wie bei jeder Wintersportart empfiehlt sich isolierende und wärmende Kleidung im Zwiebelprinzip, zu späterer Stunde sollte man eine Stirnlampe im Rucksack haben.

Doppelweltmeisterin Lea Geiger zeigt mir die Grundhaltungen, auf die es beim Rodeln ankommt: Fahrhaltung, Bremshaltung und Lenkhaltung. Und dabei kommt es wiederum auf den Untersatz an: Eine Sportrodel fährt man anders als einen Bock. Aber zäumen wir das Pferd nicht von hinten auf.Die Sportrodel wird mit den Füßen an den vorderen Enden der Kufen gefahren. Den Boden berühren die Füße – soweit nervlich möglich – nicht. Den Oberkörper biegt man dazu so flach wie möglich nach hinten um den Luftwiderstand gering zu halten.

Grundposition Rodeln, Foto: Kristina Erhard
„Simples“ Geradeaus-Fahren: Den Oberkörper flach zurückgebogen, eine Hand auf der Seite, die andere hält den Riemen.

Um die Rodel zu stoppen wird der Oberkörper aufrichten, die Lenkriemen mit beiden Händen angezogen und mit beiden Füße flach am Schnee aufliegend gebremst. Die Beine sollte man dabei immer angewinkelt lassen, um Schläge abfedern zu können.

Bremsen beim Rodeln, Foto: Kristina Erhard
Beim Bremsen: Beide Füße flach auf den Boden, die Knie angewinkelt und den Riemen zum Körper ziehen.

Bei einer Links- oder Rechtskurve gilt es zudem, der Drehfreudigkeit und Flexibilität der Rodel zu vertrauen. Vor der Kurve wird leicht abgebremst und Oberkörper zur Kurveninnenseite gelegt, die Hand zur Kurveninnenseite ausstreckt, die kurveninnenseitige Kufe mit dem Lenkriemen/Kabel hochgezogen und die kurvenaußenseitige Kufe mit Unterschenkel nach Innen gedrückt.Das heißt: Bei einer Rechtskurve schiebt man mit dem linken Fuß die Rodel nach rechts.

Mit der Rodel in die Kurve, Foto: Kristina Erhard
Kurve leicht gemacht: Oberkörper zur Kurveninnenseite legen, Hand zur Kurveninnenseite ausstrecken, kurveninnenseitige Kufe mit Lenkriemen/Kabel hochziehen und kurvenaußenseitige Kufe mit Unterschenkel nach Innen drücken.

Achtung: Wenn man ungeübt ist, Angst hat oder sich nicht sicher ist, ob die Rodel unter einem auch wirklich als „Sportrodel“ zu bezeichnen ist, sollte für die Kurven auch den jeweiligen Fuß fest auf den Schnee drücken. Je höher der Druck, desto steiler die Kurve. Bei Bremsplatten oder Spikes auf der Sohle ist dabei wiederum Vorsicht geboten: Die Gelenke und deren Bänder danken dem Rodler das vorsichtige, umsichtige und Körperschonenden Bremsen.

Keinen Bock schießen…

Auf einem Bock bzw. Schlitten gestaltet sich der Ablauf ein wenig anders. Der Bock ist ein steifes Konstrukt und lässt sich deswegen nur mit Körpereinsatz in die Kurve zwingen. Hier gilt es: Auf jeden Fall mit den Füßen in die anvisierte Richtung Druck ausüben und eventuell mit der Hand am hinteren Ende der Rodel nachziehen. Die größte Bremswirkung erzielt man, indem man die Füße fest auf den Boden drückt und dabei das vordere Ende des Bocks nach oben zieht.

Und wer meint, er verstehe nur Bahnhof, dem sei geraten, sich einfach auf eine Rodel zu setzten. Das meiste ergibt sich während der Fahrt von selbst, quasi intuitiv. Die richtige Ausrüstung vorausgesetzt. Gesagt getan und Lea Geiger nachgefahren. Mit viel Gaudi und viel neugewonnenem Wissen. Danke an die Familie Geiger für den spannenden und sonnigen Rodelnachmittag. Ach ja: Wer bremst, verliert. Das wurde mir in meiner Rodelkarriere nicht nur einmal nachgerufen…

Mehr zum Rodeln, Rodelverleih und Möglichkeiten des Rodelns im Zillertal findest du auf der Homepage www.best-of-zillertal.at.

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