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Die Steinbockwelten im Zillertal

Zillertal Steinbockwelten im Zillergrundl

Auf zum „König der Berge“ in die Steinbockwelten im Zillergrund. Am Sonntag machten sich mein Mann und ich auf ins Zillertal. Ziel war der Zillergrund.

Als Quelltal des Zillers liegt es im Vorfeld des Naturparks Zillertaler Alpen. Mein Göttergatte ist zwar kein Lehrer, trotzdem belehrt er mich äußerst gerne. Ja, ich gebe zu: Manchmal ist es ganz interessant. (Manchmal aber auch todlangweilig!) In diesem Fall gefällt mir, was er erzählt.

Er weiß über das Zillergründl einiges zu berichten: Der Name Zillergründl, stammt von dem Wörtchen „Til“ ab, was so viel wie tröpfeln oder schmelzen bedeutet, und als „Grund“ werden im Zillertal von je her die in der Eiszeit zu Trögen geformten Seitentäler bezeichnet. Diese „ Gründe“ waren und sind spärlich besiedelt, es sind meist ausgedehnte Flächen von Almen. Ja, und „Gründl“ ist sozusagen das hinterste Zipfelchen des „Grundes“.

Da wir uns hier in wunderschöner Natur befinden, möchten wir den Umweltgedanken weitertragen und fahren mit dem Linienbus, bis zur Krone der Staumauer und dem imposanten Speichersee. Oben an der Staumauer angekommen, werden wir mit einem wunderschönen Blick ins Tal belohnt. Ich kann es aber kaum erwarten, meine geliebten Steinböcke zu sehen, und da wir beide gutes Schuhwerk tragen, können wir den Almweg talabwärts wandern.

Zillertal Steinbockwelten im Zillergrundl Eingang
Eingang zu den Steinbockwelten im Zillertal.

Ein kleiner Steig geht hinunter und führt uns direkt zu den Steinbockwelten im Zillertal.

Nach ca. 5 bis 10 Minuten erreichen wir den Ort des Begehrens. Erst vor Kurzem am 06. Juli 2016 konnten 5 Steinböcke, durch das Gemeinschaftsprojekt vom Hochgebirgs-
Naturpark, Österreichische Bundesforste, Alpenzoo Innsbruck und Tiergarten Nürnberg, im Gelände der Steinbockwelten ausgewildert werden. Ein riesiges Areal mit einem darauf errichteten Museum, erzählen von der Welt der Steinböcke im Zillertal. Über einige steinerne Stufen geht´s zum urigen Steinbockmuseum. Welches schon mit seiner alpenländischen Architektur entzückt.

Bilder und Geschichten erzählen von den faszinierenden Tieren:

Die wechselhafte Geschichte der Steinböcke ist bis ins 14. Jhd. zurückzuverfolgen. Steinböcke lieferten von jeher genügend Stoff für Romane und Heimatfilme. (Wer kennt sie nicht die meist tragischen Filme in denen der arme Wilderer vom bösen Jäger erschossen wird.)

Ende des 17. Jhd. ging es sogar soweit, dass der Bischof von Salzburg die imposanten Steinböcke ausrotten lies. Heftigen Streitereien zwischen Jägern und Wilderern veranlassten ihn dazu. Der Bischof meinte, so die, meist in einem Blutbad endenden Auseinandersetzungen, stoppen zu können.

Anhand der alten Fotos und Bilder im Museum kann man sehen, welche Bedeutung der Alpensteinbock für die Menschen hier hatte. In mühsamster Arbeit wurden die Tiere, im Zillergrund wieder ausgewildert. Naturliebhaber trugen die Tiere, in Kisten, hoch in die Berge hinauf, damit sie sich dort, in artgerechten Rudeln, vermehren konnten.

Zillertal Steinbockwelten im Zillergrundl Steinbockhörner
Steinbockhörner als Talisman.

Der Steinbock galt als wandelnde Apotheke.

Dreizehn Teile vom Steinbock sprach man heilende Wirkung zu. Horn, Fleisch, Haarkleid, Blut, Milz, die Gedärme und ganz spezielle die Kügelchen, die sich im Magen der Tiere aus dem abgeleckten Haaren bildeten, sind nur einige davon.

Das Horn, auch getragen als Talisman, war selbstverständlich der begehrteste magische Artikel des Steinbockes. Feine Herrschaften des Mittelalters, tranken aus den bis zu 1 m langen Hörnen, um gegen Fallsucht gewappnet zu sein.

Zuerst sah ich in den Steinbockwelten nur ein Hinterteil.

Natürlich wollten wir nicht nur trockene Theorie! Nein, ich will endlich einen echten Steinbock sehen. Im großen Steinbockgehege lief ich von einem Ende zum Anderen. Leider konnte ich, weit entfernt, nur ein (wirklich schönes) Hinterteil eines Steinbocks sehen. Schon etwas enttäuscht ob des Ausblickes, hörte ich meinen Mann rufen: „Daaaaa sind sie“!

Wir waren entzückt, da standen sie! Mächtige Steinböcke, sicher einige bis zu 100 kg schwer, senken und heben langsam ihr Haupt – großartig, so nahe an den Tieren zu stehen.

Mit ihren bis zu 1 m langen Hörnern muss man den Böcken unweigerlich Respekt zollen. Die majestätischen Alpen-Steinböcke halten sich in einer Höhe von über 2.000m auf. Als noch niemand von Alpinismus sprach, wagte sich kaum ein Mensch in diese Höhen vor. Der Steinbock war also was Besonderes, etwas Mystisches und daher von jeher ein magisch Verdächtiger.

Zillertal Steinbockwelten im Zillergrundl
„Stufen des Lebens soll man gemeinsam gehen, sonst wird man müde.“

Selbst die Geißen (der Steinbock ist eine Ziegenart), mit schätzungsweise halbem Gewicht, tragen auf starken Stirnzapfen bis zu 30 cm große Hörner, die jedoch kaum gebogen sind. Friedlich stehen sie in der gebirgigen, felsigen Landschaft der Steinbockwelten im Zillertal und kauen gemächlich an ihren Gräsern und beizeiten, wissen wir nicht, wer hier wen beobachtet.

In dem Rudel, das wir sahen, waren sechs bis acht wunderschöne Steinböcke. Das Winterhaar und die weiße Unterwolle löste sich gerade vom Fell und das braungrau der „Sommerdecke“ war teilweise schon zu sehen. Furchtbar gerne hätte ich ein Foto gemacht, aber wie das so üblich ist, am Höhepunkt des Abenteuers, ist der Akku vom Handy leer.

Nur schwer trennte ich mich von den Gebirgsakrobaten in den Steinbockwelten im Zillertal und wir stiegen den romantischen Wanderweg hinab bis nach Bärenbad. Dort stand schon der Bus bereit und wir konnten einsteigen. So kamen wir ganz gemütlich zurück und schmiedeten während der Fahrt Pläne für den kommenden Sommer.

Fotos: Sonja Mösinger und Shutterstock

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