Berg & Taltourdata

Seelentröster Wald.

Wald als Heilmittel Foto: G'spür by Kristina Erhard

Die Zillertaler lieben ihre Bäume. Und ihre Berge. Am liebsten die Kombination aus beidem. Denn sind wir uns mal ehrlich: Wer denkt nicht mit einem wohligen Gefühl an seinen letzten Spaziergang durch den Wald zurück? Da ist dieses leise Gemurmel eins Bächleins, das Rauschen der Baumwipfel, das Knirschen der bunten Blätter, wenn man auf sie tritt. Eine beruhigende Geräuschkulisse. Eine, bei der man versucht ist, sie mit seinem Smartphone aufzunehmen. Entspannung aus der Dose, sozusagen.

Waldfotos Foto: G'spür by Kristina Erhard
Manchmal möchte man einfach mit dem Smartphone Waldgeräusche aufnehmen … für später, wenn man etwas Ruhe braucht.

Sehnsuchtsstation Wald.

„Manchmal, wenn ich sehr unter Druck stehe, gehe ich allein eine Runde in der Natur, laufe durch den Wald nebenan. Das macht mich ruhiger und ausgeglichener.“ Das oder so ähnliches hört man oft dieser Tage. Von jungen und alten Menschen, von Frauen und von Männern. Vor allem im Herbst fühlen sich die Tiroler tief mit ihrem Wald verbunden. Er gilt als Ort der Sehnsucht und der Kontemplation. Aber auch als ein Ort der Mystik oder Schauplatz von Märchen und Sagen. Der leise, dunkle Wald: Er verspricht Ruhe, Genesung, inneren Frieden. Und er bietet all das tatsächlich auch, wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen konnten. Der Wald lindert Stress, stärkt das Immunsystem und hebt das Selbstwertgefühl – und das quasi „instant“. Natürlich machen auch die Berge die Seele leichter, das könnte man sogar spezifisch „tirolerisch“ nennen. Allerdings hilft nicht jede natürliche Umgebung jedem in gleichem Maße dabei, abzuschalten. Vor allem nicht, wenn sich der Körper untrainiert auf die Wetterkreuzspitze raufquält. Wer sich wo entspannt, das hängt immer noch oder gerade deswegen entscheidend von der eigenen Persönlichkeit ab.

Der Wald im Zillertal Foto: G'spür by Kristina Erhard
Ein Spaziergang durch den Wald streichelt nicht nur die Seele, sondern stärkt auch die Abwehrkräfte.

Fünf Minuten Medizin.

Ein Team von Umweltpsychologen der Universität Wien haben herausgefunden, dass der Wald die physische ebenso wie die psychische Gesundheit von Menschen stärkt: Wenn man im Wald spazieren geht, schlägt das Herz messbar ruhiger, der Blutdruck sinkt, die Muskeln entspannen sich. Gleichzeitig werden Angespanntheit, Stress und Erschöpfung verscheucht, und positive Gefühle erscheinen größer und wichtiger als jene, die einen eher zermürben. Was wie die ultimative „happy pill“ klingt, kommt mit null Chemie aus. Einzig: Man muss seinen inneren Schweinehund überwinden. In Fügen bietet sich dafür der Panoramaweg an: Kaum Höhenmeter, viel Aussicht auf die Berge und eine gehörige Portion Wald. Nur fünf Minuten beim Spazierengehen braucht es, bis die Stimmung deutlich besser und das Selbstwertgefühl erhöht wird – am meisten bei jenen, die chronisch unter Stress stehen. Stimmung und Selbstwertgefühl sind für Psychologen und Mediziner wichtige Indikatoren für die psychische und körperliche Gesundheit. Denn beides beeinflusst nicht nur das momentane Glücksempfinden, sondern auch die Fähigkeit, mit belastenden und stressigen Ereignissen umzugehen, die sogenannte Resilienz. Unter Stress steht man nicht nur wegen täglicher Arbeit, auch Familie und Freunde, Krankheit und – ja, wirklich – Freizeit können Stress auslösen.

Waldluft ist gesund Foto: G'spür by Kristina Erhard
Die Waldluft enthält sogenannte „Terpene“, die das Immunsystem stärken sollen.

Heilmittel Baum.

Bäume stärken aber nicht nur die seelische Widerstandskraft, sondern auch die körperliche: Sie haben einen direkten Einfluss auf das Immunsystem. In einer japanischen Studie zeigte ein Team von Medizinern nach einer Analyse von Gesundheitsdaten der gesamten japanischen Bevölkerung auf, dass in Waldgebieten deutlich weniger Menschen an einer Krebserkrankung sterben als in unbewaldeten Gebieten – und das, nachdem viele andere mögliche Einflussfaktoren auf das Sterberisiko herausgerechnet worden waren. Die Japaner empfehlen „Shinrin-yoku“, was übersetzt so viel heißt wie „Waldbaden“, in Neuseeland gibt es Waldspaziergänge inzwischen auf Rezept. Und manch ein Zillertaler schwört darauf, dass der Glaube an die Heilkräfte der Bäume schon Linderung verspricht. Nicht umsonst boomen seit geraumer Zeit Zirbenholzmöbel und – kissen. Auch der Duft des Waldes nach Fichtennadeln und Tannenzapfen stärkt die Abwehrkräfte: Beim Einatmen verabreicht der Wald dem Menschen einen Cocktail aus bioaktiven Substanzen, die von Pflanzen an die Waldluft abgegeben werden. Darin sind sogenannte „Terpene“ enthalten, die höchst gesundheitsfördernd auf ­unser Immunsystem wirken. Ein Spaziergang im Wald wirkt also auf vielfältiger Weise. Man sollte es einfach ausprobieren, regelmäßig. Denn wie sagt man so schön: Die Dosis macht’s. Umso besser, dass das Zillertal wahrlich umfassend bewaldet ist.

Fotos: G’spür by Kristina Erhard

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