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Loden Kreutner – Der Stoff, aus dem die „Tuxer“ sind!

Zillertal Kreutner Loden

In einem alten Häuschen in Hart im Zillertal findet sich ein wahrer Schatz der Handwerkskunst. Hier erzeugt die Familie Kreutner seit über 100 Jahren robuste, edle Lodenstoffe und Kleidung für alle, die nicht gerne frieren und dennoch gut aussehen wollen. So auch den Stoff für die berühmten Tuxer-Trachtenjanker.

Der Betrieb der Familie Kreutner wirkt ein bisschen wie aus der Zeit gefallen. Gerade deshalb lohnt sich ein Besuch. Die Geschwister David, Rosmarie und Walpurga sind die letzten in Tirol, die selbst Loden produzieren. Speziell die Textilbranche war von Abwanderung in Länder betroffen, wo die Löhne billiger sind, denn der Preisdruck ist groß.

Die Kreutners machen dennoch alles selbst. Abgesehen von der Wolle natürlich, die großteils von Schafen aus der Region stammt. Zwischen der Wolle und dem fertigen Kleidungsstück liegen viel Zeit und viele Arbeitsschritte.

Loden ist ein Wollstoff, der gewebt und verfilzt wird. „Er ist besonders warm, atmungsaktiv und wasserabweisend. Außerdem hält Wolle selbst dann noch warm, wenn sie nass ist“, erzählt David Kreutner. Das wissen alle, die viel im Freien sind, zu schätzen. So setzen Jäger, Förster oder Holzarbeiter auf Kleidung aus Loden.

Im Keller steht ein Ungetüm von einer Maschine. Sie erledigt die ersten Arbeitsschritte. Die Wolle wird kardiert, also mit vielen kleinen Nadeln gekämmt, bis die Fasern parallel liegen. Aus diesem Flies entsteht ein loser Faden, der anschließend zu Garn gesponnen und dann zu Stoff gewebt wird. „Alleine das Bespannen des Webstuhles dauert einen ganzen Tag, das ist eine Geduldsarbeit“, schildert Kreutner, der die Maschinen auch selbst wartet. Viele dieser Art gibt es nämlich nicht mehr.

Der Rohloden kommt dann in die Walkmaschine, wo er im feuchten Zustand geknetet wird, bis er die charakteristische Verfilzung aufweist. Auf einem 30 Meter langen Rahmen im Garten wird er dann aufgespannt und an der Sonne getrocknet. Nach dem Bügeln wird der Stoff auf Ballen gerollt und ist nun bereit für die weitere Verarbeitung.

Am großen Tisch hat Rosmarie Kreutner einen Ballen Lodenstoff ausgerollt und zeichnet mit einer Schneiderkreide den Schnitt für eine Hose darauf. Die gelernte Schneiderin fertigt mit flinker Hand Jacken, Mäntel, Hosen, Gamaschen und natürlich die großen Umhänge, die zum Erscheinungsbild der Jäger gehören. „Was man gerne tut, geht schnell von der Hand“, lacht sie. Die Liebe zur Arbeit gehört im kleinen Familienbetrieb dazu.

Die Geschichte der Familie Kreutner

Die Geschichte des Betriebs geht auf das Jahr 1884 zurück. Urgroßmutter Walpurga Lechner hat damals mit der gewerblichen Produktion begonnen. Sie muss wohl eine tüchtige Geschäftsfrau gewesen sein, denn einfach war das für eine Frau damals nicht. Das sieht man auch daran, dass die Geschäftskorrespondenz unter „Herr W. Lechner“ geführt wurde.

Die Kreutner Geschwister führen den Betrieb heute in der vierten Generation. Werbung wird kaum gemacht, den Kreutners reicht die Mundpropaganda. Ob Standardgröße oder Maßanfertigung, produziert wird vor allem für Privatkunden. Auch kuschelige Schafwolldecken, dicke Webteppiche und Strickwolle gibt es bei der Familie Kreutner.

Kaum ein Zillertaler, der nicht einen Tuxer-Janker sein Eigen nennt. Der Stoff für die berühmten Trachten-Jacken, die im ganzen Zillertal – und darüber hinaus – gerne zu festlichen Anlässen getragen werden, wird ebenfalls hier hergestellt. Der helle Lodenstoff wird aus der Wolle des Steinschafes gemacht. Diese Schafrasse ist die älteste Tirols und war einst vom Aussterben bedroht. Für Frauen gibt es eine dünnere Variante aus Bergschaf-Wolle.

Kontakt: 

Familie Kreutner

Rosenstraße 13 | 6265 Hart im Zillertal
Telefon: 0043 5288 63191

Text und Fotos: Julia Hitthaler

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