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Weihnachtskrippen wärmen die Herzen

Krippenausstellung in Fügen im Zillertal

Die farbenfrohe Ergänzung im Skiurlaub Zillertal: Krippen-Ausstellung im Feuerwerk Fügen

Krippenausstellungen sind tatsächliche Inseln der Ruhe in der brausenden Hektik vor Weihnachten. Für jene, die nicht in den Alpen wohnen: Krippen sind geschnitzte Kunstwerke in Puppenhaus-Größe, welche die Heilige Familie auf Herbergssuche und die Geburt Jesu zeigen. In hunderten Tiroler Gemeinden öffnen Krippenausstellungen einige Wochen vor dem Christtag. Da schlendern dann Handwerkfans, Gläubige, Traditionsbewusste und Bastler von einem Kleinod zum nächsten, bestaunen stumm die filigrane Kunst und nicken andächtig. Kein Jingle-Bells, keine Preisschilder, keine Glitzer-Deko. Nur die Kinder machen laut ihrer Begeisterung Luft: „Mama, schau das Schaf schaut aber komisch drein, Mama wieso ist das Baby nackt?“

Die Weihnachtskrippe als Lebenswerk

Manch einer bastelt einmal im Leben eine Krippe, oder vielleicht ein weiteres Mal. Dann ist gut, wie meine Mama. Sein ganzes Leben (1925 – 2003) lang, wenige Kinderjahre ausgenommen, immerzu, saß Johann Eberharter an Weihnachtskrippen.

Und er bastelte nicht, er schuf wunderbare Kunst!

Die Geschichte beginnt naturgemäß immer mit der ersten Krippe: Wie im Zillertal Tradition, nimmt Johann trockenes Zirbenholz und Schnitzeisen zur Hand. Wahrscheinlich wuchs daraus ein Schaf. Denn die stackeln tagtäglich rund um den Hof, das kann man im Schlaf zeichnen. Danach Maria und Josef, die Holzkrippe und das kleine Kind – und wahrscheinlich in den 1930 Jahren schon. 1941 macht sich Johann an seine erste Orientalische Stubenkrippe. Dieses Werk wird er mehr als vierzig Jahre lang erweitern. Es ist wie Theater. Mit bewegenden Szenen, mit vielen Episoden, mit tausend Gesichtern. Die Schafherden, die Hirten und die Hintergrundmalerei fesseln den Blick. Ich versinke in Betrachtung: Wie hat er den abgestorbenen Baum so hineinsetzen können, wie kann er fast 300 Schafe ausfertigen, und keines gleicht dem anderen?

Krippenausstellung Erste Ferienregion im Zillertal; Foto: Heli Hinkel; Brauchtum Tirol

Johann Eberharter widmete sein Leben (1925-2004) den Weihnachtskrippen. In Fügen und Kaltenbach betreute er jahrelang Kirchen und Kapellen – und er schnitzte meisterhafte Stubenkrippen für seine drei Kinder. Sie gestalteten aus den wertvollsten und schönsten Werken eine Ausstellung im Feuerwerk Fügen, Erste Ferienregion im Zillertal.

Für jedes der Kinder ein Wunder

Erich Eberharter, Hans Honis‘ Sohn, erinnert sich: „Der Vater kam irgendwann zurück vom Besuch einer sehenswerten Krippe im Unter Inntal. Mehr als die Schnitzereien machte ihm die Tatsache zu denken, dass sich die Kinder eines Namhaften Krippenschnitzers, nach dessen Tode des Krippenbauers sogar vor Gericht um das schöne Werk stritten.“ Hans Honis hatte da seine erste große Orientalische Stubenkrippe gebaut. Er machte sich nun daran, für jedes seiner drei Kinder ein solches Erbstück zu fertigen. Gott sei Dank!

Im Passgang durch den Orient

Die Liturgie spielt in Jerusalem, Judäa, jedenfalls im Nahen Osten. Die szenische Darstellung folgt diesem Bild. Auch der Urtiroler Johann Eberharter, der nie in den Orient reisen konnte, zaubert entsprechend der Bilder herrliche Lehmbauten, Wüstenlandschaften und Steingebilde. Darin wandeln Kamele. Erich erinnert sich: Ein größeres geschnitztes Exemplar zeigte Vater der Tate einst in der Baustellenpause seinen Tischlerkollegen. Es ging die Runde bis zum Polier Meister, der anerkennend nicht: „Schön, aber…“. Johann bohrt nach: „Was, aber?“ – „Die Kamele, die gehen nicht wie Kühe, sie haben den Passgang!“ Beide Beine rechts vor, beide Beine links vor! Johann packt das Holzkamel grimmig, haut es in zwei Stücke und verheizt es. Ab diesem Tag gehen seine Kamele auch im Pass.

Spuren im Schnee und leichtes Flattergewand

Detailversessen war der große Schnitzer aus Fügen-Kaltenbach und auch ein bisschen frivol – oder fantasiereich! Ich entdecke in der Tiroler Krippe rund ums Haus Schneespuren, richtige Schuhabdrücke. Dafür schnitzte, das verrät Erich mit Schmunzeln, der Vater einen winzigen Schuh. Den drückte er in den frisch aufgetragenen „Schnee“ aus Leim, Kreide und feinem Sägemehl. Schritt für Schritt, so wie man im kalten Winter bedächtig um die Hütte tritt.
Heiß muss es hingegen den Brunnenfrauen bei der zweiten Orientalischen Krippe gewesen sein. Sie plagen sich mit schweren Wasserkübeln, der Ausschr(n)itt ihrer Kleider sitzt tief, ein Ärmel ist grad von der Schulter gerutscht. „Der Vater hat sich halt manchmal einen Spaß erlaubt“, lacht Erich. Gläubig war er trotzdem, in einem ruhigen selbstverständlichen Sinne.

Hingehen, anschauen, verzaubern lassen

Die Galerie im Feuerwerk in Fügen zeigt Eberharters Krippen bis zweiten Februar 2018, jeweils von Montag bis Freitag von 9:00 bis 16:00 Uhr. Der Besuch lohnt! Die Gelegenheit ist einmalig: nach der Ausstellung nehmen die Krippen wieder ihren Platz bei den drei Eberharter-Familien ein, in Kirchenmauern und bei anderen Besitzern. Außerhalb der Weihnachtszeit lagern die Figuren – so hoffe ich – in feine Baumwolltücher gerollt vorsichtig in guten Kästen; und die riesigen Krippenbauten gut verhüllt und gesichert im Haus.

Ausstellung im FeuerWerk in Fügen besichtigen:

FeuerWerk| SichtBAR| Binderholz Straße 49 | 6263 Fügen | fon +43 5288 601-11466 | www.binderholz-feuerwerk.com
Fotos: Heli Hinkel-Eberharter
Eintritt: 3 Euro pro Person
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9:00 bis 16:00 Uhr
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