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Heinz Tipotsch – Die Bretter, die die Welt bedeuten

Zillertal Heinz Tipotsch

Im Leben von Hotelier Heinz Tipotsch im Zillertal spielt das Theater eine Hauptrolle. Warum das so ist und wie es dazu kam, hat er uns erzählt.

Heinz Tipotsch hat in seinem Leben schon viele Rollen ausgefüllt. Als Familienvater, als Hotelier, aber auch als begeisterter Theatermensch. Das merkt man sogleich, heißt doch das Restaurant in seinem Hotel in Stumm im ZillertalTiatta“. Nicht-Zillertalern sei erklärt, dass dies der Dialektausdruck für Theater ist.

Im Jahr 1956 ist Heinz Tipotsch geboren. In diesem Jahr war es auch, als sein Vater im Keller das erste Kino im Zillertal eröffnete. „Damals war das eine Sensation!“, erinnert er sich. „Als Buben haben wir die Winnetou-Filme nachgespielt. So ist wohl auch die Leidenschaft fürs Theater entstanden.“

Der Jugendklub hat schließlich in den 1970er Jahren den Theaterverein gegründet, der im Kinosaal die ersten Stücke aufführte. „Wir konnten natürlich nur spielen und proben, wenn kein Kino war, mussten danach immer alles abbauen. Das war viel Arbeit, aber wir wollten Theater spielen“, erzählt Tipotsch, der jahrelang Obmann des Vereins im Zillertal war.

Montag war Theatertag und so ist es bis heute geblieben. Noch immer hat die Dorfbühne ihren fixen Platz im Haus. Im Winter wird jedes Jahr ein neues Stück gezeigt. Meist ist es ein Schwank, manchmal auch eine ernste Geschichte.

Heinz Tipotsch und das Theaterleben im Zillertal

Das Zillertal scheint ein guter Boden fürs Theater zu sein und so wurden 1985 die Zillertaler Volksschauspiele gegründet. Auch hier war Tipotsch Obmann. Dieser Zusammenschluss hatte Vorbildwirkung und verlieh den Volksschauspielen in Tirol mit den Freilichtaufführungen Auftrieb. Diese Wirkung ist nach wie vor zu spüren.

Zillertal Heinz Tipotsch Stummer Schrei
Heinz Tipotsch Stummer Schrei, (c) Hitthaler

Zwei Jahre später stand mit dem Felix Mitterer-Stück „Verlorene Heimat“ die erste große Aufführung am Programm. Die Geschichte der Zillertaler Inklinaten, einer Gruppe von Protestanten, die 1837 aus dem Tal vertrieben wurden, wird dabei zum Leben erweckt. Gespielt wurde am Dorfplatz von Stumm. Über 100 Mitwirkende waren dabei.

Eine Schauspielschule hat Tipotsch nie besucht. „Ich hatte sehr gute Lehrer. Zum Beispiel den damaligen Intendanten des Landestheaters, mit dem ich sechs Jahre lang Straßentheater in Innsbruck gemacht habe. Eine Rolle zu erarbeiten, das hat für mich mindestens den gleichen Wert wie ein Seminar“, schildert Tipotsch.

Rollen hat er viele gespielt. „An die 80 werden es schon gewesen sein“, schätzt er. Dieser Tage traf man ihn mit wild wucherndem Bart an. Er spielte die Hauptrolle des Felix Mitterer-Stückes Märzengrund, das von einem Bauernsohn handelt, der sich in die Berge zurückzieht und 40 Jahre lang nicht in die Zivilisation zurückkehrt.

Eigens für das im Zillertal stattfindende Theaterfestival „Stummer Schrei“ wurde das Stück geschrieben. Dieses Theaterfestival gibt es seit dem Jahr 2002 und Heinz Tipotsch hat den Großteil der Hauptrollen verkörpert.

Zusätzlich kredenzt er seinen Gästen im Hotel-Restaurant im Sommer ein Theatermenü. Es wird individuell, meist für Gruppen, zusammengestellt. Einakter mit einer Dauer zwischen 30 und 50 Minuten sind es normalerweise.

Ist das Theaterspielen neben dem Hotelbetrieb im Zillertal nicht manchmal stressig? „Schon, aber meine Tochter und mein Sohn unterstützen mich. Bald gehe ich in Pension. Dann habe ich noch mehr Zeit für mein Hobby und meine Leidenschaft“, freut sich Tipotsch.

Theaterverein Stumm: http://www.theaterverein-stumm.at/

Kulturfestival Stummer Schrei: http://www.stummerschrei.at/

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