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Heimatmuseum Fügen: So geht Heimat!

Heimatmuseum Fügen

Ich habe ein etwas zwiespältiges Verhältnis zum Begriff Heimat. Heimat, das ist natürlich ganz klar der Ort, an dem man aufgewachsen ist. Jeder weiß, wie sich seine Heimat anfühlt, wie seine Heimat riecht. Jeder erinnert sich gerne an Orte zurück, an denen er in seiner Kindheit und seiner Jugend schöne Dinge erlebt hat. Aber Heimat ist noch mehr. Das zeigen auch zahlreiche Heimatmuseen und natürlich auch das Heimatmuseum in Fügen.

Gehen wir also mal davon aus, dass Heimat nicht nur ein subjektives Gefühl ist, das viel mit Verklärung, Nostalgie und Erinnerung zu tun hat. Gehen wir auch davon aus, dass der Begriff Heimat sich auf eine Region bezieht. Dass Heimat etwas ist, das erhalten werden muss. Dann ist Heimat eine Vielzahl von Diskursen, Erzählungen, Mythen und Erlebnissen. Diese alle zusammen bilden Heimat.

Heimat ist damit der Versuch einer relativ bruchlosen Tradierung von alten Geschichten, von Mythen und von Ereignissen, die Identität gewährleisten und erst ermöglichen. Ich sage es mal so: Heimat ist das, worauf sich alle im besten Fall einigen können. Erzählungen und Überlieferungen, die weniger in Frage gestellt als vielmehr übernommen und Teil der eigenen Identität werden.

Die Funktion eines Heimatmuseums wie des „Heimatmuseums Fügen“ ist also relativ leicht zu umreißen: Es geht darum, die Volkskultur zu hegen und zu pflegen. Es geht darum, Geschichten und Geschichte zu erzählen. Es geht darum zu zeigen, warum die Dinge im Heute so wurden, wie sie sind. Es geht darum Dinge auszustellen, die wie kleine Mosaiksteine im Gesamten betrachtet eine homogene Geschichte ergeben, die sich dann auch auf die Region Zillertal und deren Selbstverständnis überträgt.

Was gibt´s so alles im Heimatmuseum Fügen?

Heimatmuseum Fügen - Volksziter
Volkszither

Natürlich spielt, no na net, im Zillertal auch die Musik eine große Rolle. So ist zum Beispiel ein schönes Objekt derzeit dort zu sehen: Eine alpenländische Volkszither aus dem 19. Jahrhundert von Josef Haslwanter.

Besonders stolz ist man im Zillertal natürlich auch darauf, dass hier zur Verbreitung des nicht ganz unbekannten Liedes „Stille Nacht, heilige Nacht“ beigetragen wurde. In den 60er Jahren entstand in der Dekanatspfarrkirche in Fügen eine legendäre Schallplattenaufnahme. Auch dieses Objekt ist vor Ort zu besichtigen. Und auch noch weitere Geschichten verbinden Fügen mit diesem Lied…

Was gibt es sonst noch zu sehen? Nun, zum Beispiel Beispiele, wie Zillertaler Wanderhändler damals vor einiger Zeit bepackt waren. Auch der eine oder andere historische Kleiderkasten wird einem im Heimatmuseum Fügen unterkommen.

Aber ich möchte euch hier nicht mit Aufzählungen langweilen. Ihr müsst euch das alles schon selbst ansehen. Für mich ist das Heimatmuseum Fügen jedenfalls ein gelungenes Beispiel, wie Heimat „erzählt“ werden kann. Hier ist Heimat nämlich, und genau das ist oft mein Problem mit dem Begriff „Heimat“, kein apodiktischer Begriff. Heimat hat nichts Exkludierendes, Starres und Feststehendes. Heimat wird wieder in seiner Konstruktion und in seiner Geschichte und Geschichtlichkeit sichtbar.

Anders gesagt: Hier werden Andeutungen gemacht, was Heimat sein könnte. Hier werden Objekte gezeigt, die Teil der Identität des Zillertals und der Region Fügen sind. Es wird aber auch klar, wie diese Identität entsteht.

Ein gutes Heimatmuseum leistet genau das: Es stellt nicht vor vollendete Tatsachen, sondern macht die Diskurs hinter den Objekten und hinter der Identität einer Region sichtbar und transparent. Heimat wird zu einer Erzählung, die nicht notwendigerweise so ist, wie sie ist. Sie wird in ihrer Funktionsweise greifbar und nachvollziehbar.

Für Menschen, die dem Zillertal und seiner Gegenwart näherkommen wollen ist dieses Museum ohnehin Pflicht. Die Vergangenheit und die Geschichte einer Region hat nämlich immer schon die Gegenwart erleuchtet und verständlicher gemacht. Von meiner Seite her eine absolute Empfehlung, sich dieses nicht ganz alltägliche Heimatmuseum ausführlich anzusehen!

Fotos: Heimatmuseum Fügen

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