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Edelbrände im Zillertal

Edelbrände im Zillertal

Edelbrände im Zillertal: Hat wirklich der Teufel den Schnaps gemacht?

Ich habe da vor einiger Zeit eine interessante Erfahrung gemacht. Denn immer mal wieder lernt man gehörig dazu. Für mich war nämlich der Schnaps lange Zeit eben ein Schnaps. Ein scharfes, unangenehm schmeckendes Getränk, das fest mit einem Ritual verbunden war. Sobald ich im Zillertal oder sonst wo am Land war, wurde mir ein Schnaps gereicht, den ich dann halt irgendwie trank. Geschmeckt hat mir das alles im Grunde eigentlich nie. Vielleicht zum Teil, weil der Schnaps nicht von der allerhöchsten Qualität war, vielleicht auch, weil ich mich mit dieser Thematik nicht oder nur sehr unzureichend beschäftigt hatte. Doch ich wurde eines besseren belehrt. Und das Zillertal spielte in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle.

Es muss wohl so vor ca. 5 Jahren gewesen sein. Also durchaus schon eine Weile her. Bis dahin war der Schnaps für mich eben ein Schnaps. Ich unterschied da nicht groß und außerdem war das meiste das mir immer wieder mal vorgesetzt wurde ohnehin „nur“ ein Obstler. Dass es da noch andere geschmackliche Differenzierungen gab war mir zwar irgendwie bewusst, interessierte mich aber nicht sonderlich.

Eines Tages traf ich aber einen Schnapskenner. Dieser klärte mich erst einmal gehörig auf: Schnaps Schnaps zu nennen sei einfach ein wenig unpräzise. Und würde die Entwicklung in diesem Bereich überhaupt nicht spiegeln. Früher hatte man Schnaps gebrannt um Obst noch irgendwie zu verwerten. Die Qualität stand dabei nicht an oberster Stelle. Im Heute verhielt es sich grundlegend anders: Das Schnapsbrennen sei eine uralte Kulturtechnik, die über die Jahrhunderte mehr und mehr verfeinert wurde.

Schnaps wird Edelbrand! Vor allem auch im Zillertal…

Edelbrände im Zillertal
Zillertaler Edelbrände

Schließlich sei sie von dem Prinzip der bloßen Obstverwertung zu einem Prinzip der Obstverfeinerung geworden. Wer heute Schnaps brennt, der hole die Essenz des Geschmackes des Obstes heraus. Die Qualität sei ungleich höher als früher. Ein guter Schnaps verursache schon lange kein Kopfweh mehr, sondern sei, wenn gut gebrannt, der beste Alkohol überhaupt.

Die Zeiten, in denen Vorlauf und Nachlauf einfach mal so ihren Weg in einen guten Schnaps gefunden hätten, seien endgültig vorbei. Im Heute wüssten die Schnapsbrenner absolut was sie täten, reine Schnäpse ohne Kopfwehgefahr seien in den letzten Jahren entstanden.

Und außerdem. Es sei ein wenig peinlich, wenn ich immer noch Schnaps zu den Edelbränden sage. Die Betonung läge nämlich heute vor allem auf den Zusatz „edel“, zumal es ja darum ginge, im Verfahren des Brennens das Obst zu veredeln. Was dann dabei herauskommt, habe mit dem klassischen, eher mittelmäßigen Obstler, den ein Unbedarfter manchmal serviert bekommt, nur wenig zu tun.

Edelbrände im Zillertal
Zillertaler Edelbrände

Ein echter Edelbrand sei ein Genuss, keine Pflicht nach einem guten Essen, die man halt irgendwie erfüllen musste. Ich solle fortan darauf achten, in den Lokalen in denen ich sei den richtigen Edelbrand zu bestellen. Denn nur demjenigen, der keinen Wert darauf legt, dem wird statt einem Edelbrand halt einfach ein einfacher Schnaps auf den Tisch gestellt.

Ich war also eingeweiht. Das war mir schon oft passiert, auch in anderer Hinsicht. Wenn man erst einmal von einer Sache weiß, dann öffnet sich eine neue Welt. Man beginnt sich zu interessieren, beginnt zu recherchieren und merkt, dass man bisher schlicht und einfach blind gewesen sein musste. Wie konnte ich jahrelang immer wieder im Zillertal sein ohne dass ich die Qualität der hiesigen Edelbrände bemerkt hatte? Vielleicht hatte ich zu viel Wert auf die sonstige Kulinarik gelegt. Vielleicht war ich zu fokussiert auf Käse, Graukäsesuppe oder auch Zillertaler Krapfen gewesen. Vielleicht hatte ich den Schnaps bzw. die Edelbrände zu sehr in eine reine Funktion des Trinken-Müssens gestellt und zu wenig unter dem Blickwinkel des Genusses gesehen.

Edelbrände im Zillertal
Zillertaler Edelbrände

Meine Recherche brachte mich schnell auf die Edelbrände von Friedrich Wildauer. Seine Edelbrände sind bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Auch der besagte Freund, der mein Interesse an hochwertigen Edelbränden mit verschuldete, hatte den Namen schon einmal gehört. In Aschau im Zillertal befindet sich seine Brennerei, die ich euch hiermit ausdrücklich empfehlen und nachdrücklich ans Herz legen kann.

Der Brennereikeller lässt sich nämlich auch besichtigen und da könnt ihr Friedrich Wildauer sprichwörtliche Löcher in den Bauch fragen. Ihr werdet staunen, was so alles an Know-How hinter der alten Kulturtechnik des Schnapsbrennens steckt und was sich in den letzten Jahrzehnten und Jahren in dieser Hinsicht so alles getan hat.

Ich will gar nicht mehr darüber schreiben, schlicht und einfach weil ihr es selbst vor Ort erfahren und sehen solltet. Euer Blick, falls er noch so unbedarft und naiv wie mein Blick vor einigen Jahren sein sollte, wird ab dann ein anderer sein.

In Restaurants und Gasthäusern im Zillertal werdet ihr fortan einen Edelbrand vom Wildauer verlangen. Und die Einheimischen werden sich freuen, weil sie merken, dass ihr das Wesentliche verstanden habt. Ihr seid eingeweiht in die Besonderheiten der Edelbrände im Zillertal. Ihr wisst jetzt, dass das Zillertal einige der besten Edelbrände überhaupt anbietet. Nicht nur der „Wildauer“, sondern auch einige weitere Brennereien im Zillertal. Am besten ihr recherchiert einfach einmal selbst.

Ein guter Startpunkt ist aber allemal der „Wildauer“. Ein interessantes Ausflugsziel noch nebenbei, vor allem aber der Zugang zu der differenzierten, spannenden Welt der Edelbrände!

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