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E-Bike Region Zillertal: Leider geil!

E-Biken im Zillertal

Was für ein verdammtes Klischee! Ich im Zillertal. Ich beim E-Biken. Ich als Städter völlig planlos und völlig falsch adjusiert bei Günther Unterlercher im Sporthaus Unterlercher, der sich bereit erklärt hat, mich in die Welt der E-Bikes einzuführen und mir ein E-Bike zu leihen, auf dass ich die Region erkunden und mich selbst davon überzeugen könne, dass die „Ferienregion Fügen-Kaltenbach“ im Zillertal DIE E-Bike Region schlechthin sei. Er mustert mich ein wenig, grinst dann amüsiert: Lange Jeans seien bei Temperaturen um die 30 Grad nicht gerade die richtige Kleidung. Ich schaue schuldbewusst zu Boden, schäme mich ein wenig ein Klischee zu sein. Der Städter, der sich nicht richtig kleidet und bei den Einheimischen für Grinsen oder gar für Gelächter sorgt.

Dennoch sind wir uns über die Zeit sympathisch geworden. Haben uns sogar über die Zukunft des Zillertals unterhalten. Das konnte ja nun wirklich nur bedeuten, dass er mir vertraute und mich, als Innsbrucker, als quasi Einheimischen betrachtete, mit dem man gut über Tirol und damit natürlich auch über das Zillertal sprechen konnte. Aber dieses Vertrauensverhältnis musste ich mir wirklich hart erarbeiten. Und genau davon möchte ich euch hier kurz erzählen.

Alles begann nämlich mit einem Schock. Es ist aber nun wirklich nicht schwer, mich zu schocken, denn in Sachen Sport und sportverwandten Aspekten des Lebens bin ich wirklich tatsächlich leicht zu überraschen und zu schockieren. Die Aussage von Herrn Unterlercher traf mich wie ein Schlag in die Magengrube: „Ein E-Bike ist kein Moped mit dem man auf den Berg fährt!“ Ein E-Bike unterstütze nämlich lediglich die eigenen Tretbewegungen. Sport sei das trotz allem! Meine Gedanken daran, heute einen gemütlich, nicht allzu sportlichen Tag verbringen zu können, erwiesen sich spätestens an dieser Stelle als naive Illusion.

E-Bike
Blick vom Berg auf Fügen

Mit dem E-Bike aufs Spieljoch: Nur Mut! 

Wenig später saß ich, mit langer Hose und mit dem, was ich für Bergschuhe hielt, auf dem E-Bike. Eine kleine technische Einschulung folgte. Den „E-Bike-Betrieb“, ich nenne es jetzt einfach mal laienhaft so, konnte man ausschalten, hochschalten oder gar auf „Turbo“ stellen. Ganz nach Lust und Laune und ganz nach der eigenen Kraftanstrengung, die man investieren wollte.

E-Bike
E-Bike Region Zillertal

Ein Problem gab es dabei: Fuhr man die ganze Zeit auf „Turbo“ würde der Akku wohl nach nicht mehr als einer Stunde den Geist aufgeben. Es galt also, mit seinen eigenen Kräften und mit der Technik, hauszuhalten. Ich sprach mir Mut zu und legte los.

Meine Begleitung, Herr Unterlercher, hatte eigentlich nur vorgehabt, mich bis zur nächsten Abzweigung Richtung Spieljoch Mittelstation zu begleiten. Warum er sich dafür entschied, mich auf der ganzen Fahrt zu begleiten ist mir heute noch unklar. Vermutlich deshalb, weil ich mich derart ungeschickt und unsportlich anstellte dass er Angst hatte, mich und vor allem sein E-Bike nie wieder zu sehen.

Es ging also voran. Oder besser gesagt: Hinauf. Weit hinauf. Der Weg wurde bald, für meine Verhältnisse, zu steil. Das bisschen E-Bike-Antrieb, das ich bisher eingestellt hatte, erhöhte ich sehr bald. Mit „Turbo“ ging es relativ gemütlich den Berg hinauf. Ein Problem hatte ich aber: Die Zeit, in der mich dieser E-Bike-Betrieb begleiten würde, schmolz dahin und wurde geringer und geringer. Ich musste mir also etwas überlegen. Und doch hin und wieder etwas mehr Kraft investieren und runterschalten. Mehr Kraft, als mir eigentlich lieb war! Meine Begleitung hatte definitiv Recht gehabt: Ein E-Bike war KEIN Moped. Sondern nur eine Unterstützung.

Kurzum: Ich kam mit der Zeit ganz schön ins Schwitzen. Was definitiv nicht nur an meiner etwas falsch gewählten Kleidung lag. Es lag auch an der Hitze. Es lag auch an meiner nichtvorhandenen sportlichen Kondition. Und es lag auch an meiner bergerfahren Begleitung, die mir ein Tempo vorlegte, das zu halten mir nicht immer leicht fiel.

Dennoch waren wir nach knapp 45 Minuten, die es ganz schön in sich hatten, irgendwo oben angekommen. Ich konnte mir den Kommentar: „Ein Gipfelsieg!“ nicht verkneifen. Die lapidare Antwort von Herrn Unterlercher dazu: „Das wäre dann doch etwas anderes!“. Wie auch immer. Ich war stolz. Und noch stolzer als mir erklärt wurde, dass das immerhin 650 Höhenmeter gewesen waren! Und das in langen Jeans. Und das als jemand, der Sport normalerweise meidet wie der Teufel das Weihwasser.

E-Bike
E-Bike Region Zillertal

Auch die Talfahrt hatte es in sich. So ein E-Bike ist nämlich doch ein wenig schwerer als ein normales Mountain-Bike. Die eine oder andere Kurve machte mir zu schaffen, die Bremsen des Rades wurden von mir dauerbeansprucht. Auch das brachte mir die eine oder andere Rüge meiner Begleitung ein. Aber damit konnte ich jetzt gut leben. Schließlich hatte ich mich sportlich nicht ganz blamiert, auch wenn ich fast durchgehend mit „Turbo“ gefahren war und sich der Akku jetzt dann wohl langsam aber sicher verabschieden würde.

Das Schöne am E-Bike jedenfalls: Auch als Nicht-Sportler kann man sich da langsam aber sicher an die Sportlichkeit herantasten. Das ist eine der Haupterkenntnisse meines E-Bike-Ausfluges ins und im Zillertal.

Und noch etwas kann ich jetzt hiermit definitiv bestätigen: Die „Ferienregion Fügen-Kaltenbach“ im Zillertal ist tatsächlich eine hervorragende E-Bike-Region! Ich kann euch nur raten es auch mal zu versuchen.

Wenn sogar ICH das schaffe und sogar ich das genießen kann, dann könnt ihr es auch. Selbst wenn ihr nicht sonderlich sportlich seid. Glücksgefühle gibt es dann, wenn man erst einmal 600 oder mehr Höhenmeter überwunden hat, nämlich zuhauf. Und das mit deutlich weniger körperlichen Aufwand als wenn man ganz ohne elektronische Unterstützung den Berg hinauf geradelt wäre! Ich kann nur sagen: E-Bike fahren, leider geil! Auch wer sich noch so sehr gegen Sport und Radfahren wehrt, wird hier begeistert sein. Wollen wir wetten?

Fotos: Markus Stegmayr und TVB Zillertal

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