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Die Tux-Zillertaler – die Ureinwohner des Tales

Tux-Zillertaler: die Ureinwohner des Tales

Die Tux-Zillertaler sind sozusagen die Ureinwohner des Tales, wenn es um Rinderrassen geht. Markus und Daniela Haag züchten die selten gewordene Rinderrasse auf ihrer Landwirtschaft in Schlitters. Sie erzeugen auf ihrem Biobetrieb Fleisch höchster Qualität, das ausschließlich direkt vermarktet wird und leisten einen wichtigen Beitrag zur Arterhaltung der Rasse, die vom Aussterben bedroht war. Der Hof in Schlitters ist einer der größten Tux-Zillertaler-Zuchtbetriebe.

Flink kurvt Markus Haag mit dem Hoftrac durch den geräumigen, luft- und lichtdurchfluteten Laufstall. Die Rinder haben sich einstweilen auf die dick mit Stroh eingestreuten Liegeflächen zurückgezogen. Das machen sie immer so, sobald der Hoftrac in den Stall fährt. So stören sie nicht und ruck-zuck ist der Mist hinausgeschoben und der Stall pikobello sauber. Den Rindern freilich wäre ein bisschen Dreck auch egal, es ist eher das menschliche Auge, das hier überkritisch ist.

Biobauer mit Leib und Seele

Fährt der Hoftrac beim Gatter hinaus, kommt sogleich Bewegung in die Herde, die nun zur Futterstelle trottet. Es wird auch gleich angerichtet: Markus Haag und Söhnchen Marius kredenzen ihnen zwei Siloballen. 25 Hektar Dauerwiesen bilden die Futtergrundlage für die Tiere. Seit 15 Jahren führt Markus Haag, Jahrgang 1976, den Betrieb. Bewirtschaftet wird der Hof nach biologischen Richtlinien. „Das ist für mich eine Sache der Überzeugung. Ich bin mit Leib und Seele Biobauer“, lacht er.

Die Tux-Zillertaler - die Ureinwohner des Tales
Die Tux-Zillertaler – die Ureinwohner des Tales

Die Tux-Zillertaler und die artgerechte Tierhaltung

40 Mutterkühe, deren Nachwuchs und ein Zuchtbulle leben auf dem Hof in Schlitters. Von Jahresbeginn bis April läuft der Stier in der Herde mit, zwischen Oktober und Februar kommen demnach die Kälber zur Welt. Mutterkuhhaltung ist die natürlichste Art der Aufzucht. Das bedeutet, dass die Kälber bei den Müttern bleiben und die Tiere im Herdenverband leben. Sie werden nicht angehängt und können sich im Stall frei bewegen. Am Hof tummeln sich außerdem einige Ziegen, Hühner und zwei Pferde. „Hobbytiere“, wie Haag sagt. Die Tux-Zillertaler sind die Ur-Rinderrasse des Zillertales. „Eher kleingewachsen, robust, vital, einfach zu halten. Einen Tierarzt brauchen sie kaum einmal. Im Berggebiet und auf der Alm sind die Tuxer ideal“, erzählt Markus Haag. Die Kühe hier haben ein langes Leben, die ältesten sind 16 Jahre und quietschfidel. Den Sommer verbringen die weiblichen Tiere auf der Alm.

Die Tux-Zillertaler - die Ureinwohner des Tales
Die Tux-Zillertaler – die Ureinwohner des Tales

Mehr Aufwand, hohe Qualität

Dennoch muss der Landwirt natürlich auch wirtschaftlich kalkulieren: „Ohne die Ausgleichszahlungen könnte ich die Tuxer nicht halten. Da müsste ich auf eine andere Rasse umsteigen“, erzählt er. Die Tuxer sind eben eine extensive Rinderrasse, die langsam wächst. Das bedeutet mehr Aufwand, mehr Futter aber auch eine hohe Fleischqualität. Zwischen ein und eineinhalb Jahre sind die Jungtiere alt, bevor sie geschlachtet werden. Seine Rinder selbst schlachten, das bringt Markus Haag nicht übers Herz. Ein Metzger in einem nahegelegenen Dorf übernimmt das. „Wir haben fast ausschließlich Privatkunden, die das Fleisch bei uns bestellen und abholen. Ein wenig geht auch in die Gastronomie“, schildert Haag. Der Preis liegt bei 11,- Euro pro Kilogramm. Zwischen 100 und 140 kg Fleisch bringt ein Rind. Auf Vorbestellung werden den Kunden Fleisch-Mischpakete zusammengestellt, die vom Metzger küchenfertig aufbereitet sind. Enthalten sind Schnitzel, Gulasch, Faschiertes, Kotelette, Bauchfleisch / Braten und T-Bone Steak.

Charakteristika der Tux-Zillertaler

Die Tux-Zillertaler - die Ureinwohner des Tales
Die Tux-Zillertaler – die Ureinwohner des Tales

Die Tuxer-Rinder sind braun oder schwarz und haben am hinteren Rücken eine charakteristische weiße Färbung. Sie sind besonders widerstandsfähig, genügsam und geländegängig. Ihnen wird aber auch ein eigensinniger, kampflustiger Charakter nachgesagt. Die Tuxer wurden auch für Schaukämpfe eingesetzt und daraufhin selektiert. Dadurch schwand die Milchleistung, was den Niedergang der Rasse mit sich brachte. In den 1970er Jahren soll es nur noch 30 Tux-Zillertaler Rinder auf der Welt gegeben haben. Durch einige engagierte Züchter konnte die Rasse letztlich vom Aussterben bewahrt werden. Eine ausgewachsene Kuh hat eine Widerristhöhe von ca. 130 cm und wir etwa 600 kg schwer.

Tag der offenen Stalltüre

Der „Schmiedfranzlhof“, so lautet der Hofname, ist ein Anschauungsbetrieb, auf dem auch Betriebsführungen und Exkursionen möglich sind. Universitäten nutzen diese Möglichkeit ebenso wie Zuchtverbände.

Am 12. Juni 2016 findet der „Tag der offenen Stalltüre“ am Betrieb der Familie Haag statt. Interessierte können sich so selbst ein Bild vor Ort machen und mehr über das Leben, Arbeiten und die Tierhaltung am Bauernhof machen.

Weitere Infos unter: www.tux-zillertaler.com

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