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Der Kuhfladen als Souvenir

Kuhfladen als Souvenir

Am Anfang stand der Kuhfladen. Dahinter die Idee, Gästen statt in China produziertem Plastikkitsch ein authentisches Souvenir anzubieten. Tirol zum Mitnehmen und Genießen – echt und unverfälscht. Geerntet werden die Kuhfladen für „kuhfladis fengtirolis“ auf einer Alm hoch über dem Zillertal.

Wolfgang Eder ist der kreative Kopf dahinter. Ein Naturdesigner, der aus einem Kuhfladen ein Kunstwerk, aus wurmzerfressenen Astlingen Schlüsselanhänger oder aus sonnengegerbter Zirbenrinde Wanddekoration fertigt. Taschen aus Holz sind die neuesten Designobjekte.

Eder selbst sammelt das Rohmaterial und lässt sich von der Natur zu Ideen und Design inspirieren. „Andere spielen Golf, ich wühle im Mist oder kraxle im Wald herum“, erklärt er. Das macht er vor allem auf einer Alm im Zillertal auf ca. 1000 Metern Seehöhe. Dort tankt Eder in seiner Freizeit Natur und „heile Welt“.

Die Botschaft war klar: Ein echtes Stück Tirol, so natürlich und einfach wie möglich verarbeitet und aufgepeppt mit modernem Design. Der natürliche Charakter des verwendeten Materials soll beibehalten werden. „Die Salzburger Mozartkugeln, den bayerischen Bierkrug und die Kuckucksuhr als klassisches Souvenir zu verdrängen, dagegen wollte ich antreten“, so Wolfgang Eder.

Er interessiert sich besonders für Materialien, die bisher ungenutzt blieben oder anders genutzt wurden. Neben Kuhmist sind das vor allem Rinde, Holz, Heu, Tannenzapfen oder Stein. Heu wird z. B. in Plexiglasröhrchen gepackt. Das ist nicht nur nett anzusehen: Wenn einen die Sehnsucht nach den Tiroler Bergen packt, kann man den Stöpsel abnehmen, eine Nase voll davon einatmen und sich dorthin träumen.

Eder und der Souvenir Kuhfladen

Die Lust am Experimentieren führte auch zu den Kuhfladen, die für Eder eben ein höchst unterschätzter Werkstoff sind, der viel zu wenig Beachtung findet: „Wir haben kein Öl in Tirol, wir haben kein Gas! Aber Sch… bzw. Fladen haben wir mehr als genug. Deshalb sollten wir aus diesem Werkstoff etwas machen!“

Ob die Idee, Kuhfladen als Souvenir zu verkaufen, anfangs ein wenig von Ironie getragen wurde? „Das kann man so sehen. Wirklich beleidigt bin ich aber, wenn sich jemand einen Fladen kauft und diesen dann am WC aufhängt. Er gehört zumindest über den Fernseher, am besten zwischen das Kruzifix und das Bild des Präsidenten. Es sind Kunstwerke, keine Scherzartikel“, erklärt Eder. „Ku(h)nst“ eben. Dementsprechend werden die Kuhfladen jahrgangsmäßig durchnummeriert und auch signiert.

Um an wirklich gute Kuhfladen als Souvenir zu kommen, braucht es ganz bestimmte Witterungsbedingungen: „Wenn die Fladen frisch gefallen sind, müssen sie einige Tage trocknen. Regnet es, sind sie für mich nicht mehr zu gebrauchen“, schildert Eder. Nur die oberste Schicht wird mitgenommen, getrocknet und dann mit wasserlöslichem Klarlack behandelt. Obwohl das gar nicht sein müsste, denn ein trockener Kuhfladen als Souvenir riecht nicht und ist auch für Insekten nicht mehr interessant.

Offen durch die Landschaft gehen, anderes Denken zulassen und die Kreativität der Natur nutzen, das ist sein Ansatz. Ein durchgeknalltes Souvenir aus Tirol entstand. Inzwischen lassen Hotels und Tourismusverbände give-aways für treue Kunden machen.

www.fengtirolis.at

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