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Der Bergbaugeschichte auf der Spur

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Tief in den Bergen von Fügen und Fügenberg begann vor mehr als 600 Jahren die bewegte Geschichte einer heute fast vergessenen Bergbauregion.  Wer genau hinschaut, der findet an vielen Plätzen noch Spuren davon. Da gibt es alte Stollen, Knappensteige oder historische Gebäude.

Der Bergbau hat die Entwicklung der Orte entscheidend geprägt. Wirtschaftlicher Aufschwung, viele Arbeitsplätze, Bevölkerungswachstum und somit auch gesellschaftliche Entwicklung hängen eng damit zusammen. Die Ausstellung zum Thema Bergbau im Heimatmuseum Fügen und der Schaustollen im Öxltal am Spieljoch halten diese Geschichte lebendig.

Mehr als 600 Jahre Bergbaugeschichte

Bis in das Jahr 1404 reichen die Spuren in die Vergangenheit. Damals wurden die Erzvorkommen in der Lamark (Hochfügen) erstmals urkundlich erwähnt.

In Fügen und Fügenberg wurde vor allem Spateisen (auch kleine Mengen Kupfer, Silber, Kobalt) in Kleinboden, der Lamark und im Öxeltal abgebaut. Nur wenige Zentimeter pro Tag schafften die Knappen damals die Stollen in den Berg voranzutreiben. Das eisenhaltige Gestein wurde dann oft halsbrecherisch in Säcken Richtung Tal gezogen und die Steine anfangs noch händisch zerkleinert. Eine Arbeit, für die meist Frauen und Kinder zuständig waren.

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Reste der Eisen-Schmelze in Kleinboden, Fügen

Prägend für Landschaft und Gesellschaft

Das Landschaftsbild hat sich durch den Bergbau ebenfalls verändert. Zur Verhüttung des Erzes waren große Mengen an Holzkohle notwendig und so wurden im vorderen Zillertal bis nach Zell Wälder großflächig abgeholzt.

Schon im 15. Jahrhundert gab es in Kleinboden in Fügen zwei kleine Eisen-Schmelzen. In der Hochblüte waren es drei Hochöfen. Das Zillertaler Eisen hatte große Bedeutung bei der Herstellung von Werkzeugen. Die weiterverarbeitende Industrie produzierte Eisenbleche, Sensen, Hämmer, Nadeln, Nägel aber auch Waffen und Kanonenkugeln. Für hunderte „Sölleute“ bedeutete das eine Existenzgrundlage, auch wenn sie den Bauern nicht gleichgestellt waren.

Der Holzkohleverbrauch wurde kontingentiert. 1868 wurde das Hammerwerk aufgelassen, 1885 sperrte die Nadelfabrik im Schloss Fügen zu. Bergbau und Weiterverarbeitung wanderten ins Inntal nach Jenbach, Brixlegg und Kiefersfelden ab. Die Arbeiter zogen mit und so blieben von knapp 1000 Einwohnern in Fügen nur mehr rund die Hälfte zurück.

Bergbaumuseum in Fügen

Eine Reise in die Bergbaugeschichte der Region beginnt man am besten im Heimatmuseum in Fügen. Dort gibt es „unter Tage“ im Untergeschoss eine eigene Ausstellung zum Thema. Wie haben die Knappen gelebt und gearbeitet, wie sah es in den Stollen aus und wie wurde das abgebaute Erz transportiert und weiterverarbeitet? Diese und viele Fragen mehr werden hier geklärt.

Montangeologe Herbert Wenger hat die Geschichte des Bergbaus aufgearbeitet, half bei der Erschließung eines Schaustollens, hat mit seiner Frau Anna viele der im Museum zu sehenden Modelle selbst angefertigt und ein Buch über die Bergbau- und Hüttengeschichte veröffentlicht (erhältlich im Museum).

Zu sehen sind auch verschiedene Gesteinsarten, Werkzeuge, Arbeitsabläufe, Pläne, Fotos und ein nachgebauter Stollen in Originalgröße.

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Höchstes Schaubergwerk Österreichs im Öxeltal

Im Öxeltal auf der Ulpenalpe liegt das höchstgelegene Schaubergwerk Österreichs auf 1784 Metern. Hier kann man den 167 Meter langen Julius-Stollen besichtigen und in das harte Leben der Bergknappen eintauchen und sich ein Bild von den Arbeitsbedingungen unter Tag in den Bergwerken machen. Der Stollen liegt in der Nähe des Spieljochs und ist in einer leichten Wanderung über einen Rundweg, den ehemaligen Knappensteig, zu erreichen. ( Im Sommer 2017 wg. Bauarbeiten geschlossen!)

Öffnungszeiten Heimatmuseum:

Museum in der Widumspfiste
Lindenweg 2, 6263 Fügen

Montag: 18 bis 21 Uhr
Mittwoch: 9 bis 12 Uhr
Freitag: 16 bis 19 Uhr

Für Gruppen auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Voranmeldung.

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