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Bergrettung Kaltenbach: Hilfe am Berg rund um die Uhr

Blog Best of Zillertal: Bergrettung Kaltenbach

„Als Bergretter hängt dein Leben oft an anderen“

Passiert am Berg ein Unfall, wissen Bergsteiger nicht mehr weiter, sind zu erschöpft oder kommt jemand nach einer Tour nicht nach Hause, dann rückt die Bergrettung aus. Die Männer und Frauen der Bergrettung helfen freiwillig, unbezahlt und begeben sich dabei mitunter selbst in riskante Situationen. 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag sorgen sie für Hilfe am Berg. Die Bergrettung erreicht man im Ernstfall unter dem Alpinnotruf 140 oder dem Euronotruf 112

Im Zillertal gibt es sechs Bergrettungen. Jene in Kaltenbach ist für das gesamte vordere Zillertal zwischen Schlitters und Aschau zuständig. Mit ihren 41 Mitgliedern betreut sie ein Gebiet von 220 km². 36 Einsätze und 900 Einsatzstunden hat die Bergrettung im Jahr 2016 absolviert. Sommer und Winter halten sich dabei in etwa die Waage.

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„Hüttenübernachtungen waren unser Urlaub“

Obmann und Ortsstellenleiter ist Andreas Wierer. Der 49-Jährige ist seit dem Jahr 1983 bei der Bergrettung. „Mit 16 Jahren bin ich beigetreten, ich war aber schon mit 14 oft dabei.“ Seine Liebe zu den Bergen wurde nämlich schon früh geweckt. Bereits mit zwei Jahren war er am Berg unterwegs, mit drei beleidigt, wenn er den Rucksack nicht tragen durfte.

„Mein Vater hat uns schon als kleine Kinder mitgenommen. Wir haben auf Hütten übernachtet, das war unser Urlaub. So wächst man in die Aufgabe hinein“, erinnert sich Wierer. Seit zwei Jahren ist er Obmann der Bergrettung Kaltenbach, sein Vater war vor 42 Jahren Gründungsmitglied.

Alle gesund nach Hause bringen

„Die größte Herausforderung ist es, dass nach einem Einsatz alle Mitglieder wieder gesund nach Hause kommen. Als Bergretter hängt dein Leben oft an anderen. Da muss man Vertrauen haben. Die Mannschaft ist ein eingeschworenes Team, das in jeder Situation zusammen halten muss“, erklärt Wierer.

Ob er sich über den Leichtsinn von manchen Bergsteigern ärgert, denen die Bergrettung dann zu Hilfe eilt? „Ich glaube nicht, dass sich jemand freiwillig in Todesgefahr begibt. Es braucht jemanden der hilft. Diesen Antrieb hat man, oder eben nicht. Den sichersten Weg für uns zu finden, das zählt.“

Trotz aller Vorsicht kann es passieren, dass ein Retter im Einsatz selbst verletzt wird. „So etwas bleibt einem natürlich besonders in Erinnerung. Als Einsatzleiter geht man immer wieder alle Details durch um sicher zu gehen, dass alles richtig gemacht wurde. Meistens geht alles gut. Es ist klar das Positive, das an dieser Arbeit überwiegt.“

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Viele Sucheinsätze

Die Suche nach vermissten Personen macht einen großen Teil der Einsätze der Bergrettung Kaltenbach aus. Von 2014 bis 2016 haben sich so die Einsatzstunden der Bergrettung Kaltenbach von 300 auf 900 verdreifacht. „Sucheinsätze sind meistens zeitaufwändig. Oft wissen wir nur, wo das Auto abgestellt wurde, haben sonst aber keine Informationen. Das bedeutet, dass wir ein großes Gebiet absuchen müssen. Meistens beginnen diese Einsätze erst am Abend in der Dunkelheit, wenn jemand nicht nach Hause gekommen ist“, schildert Wierer. Es ist also immer ein Vorteil, Angehörigen oder auch Zimmervermietern Bescheid zu geben, wohin es gehen soll.

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Helfen wollen bei Tag und bei Nacht

Wer aktives Mitglied bei der Bergrettung werden möchte, sollte bereits Grundkenntnisse im Klettern, Skifahren und Skitourengehen haben und im Einzugsgebiet leben und arbeiten. „Für die Bergrettung seine Zeit unentgeltlich zur Verfügung zu stellen bedeutet, immer helfen zu wollen auch in schwierigem Gelände ob bei Tag und bei Nacht“, fasst Andreas Wierer die Voraussetzungen zusammen.

Die Bergretter leisten ihre ehrenamtliche Arbeit nicht nur bei Einsätzen, die Abläufe müssen natürlich auch trainiert werden. Insgesamt kamen so im Jahr 2016 über 6000 Arbeitsstunden der Bergrettung Kaltenbach zusammen. Unbezahlt und für die Retter neben ihren normalen Jobs.

Zuerst kommen Interessierte zwölf Monate als Anwärter zur Bergrettung. Nach der Aufnahmeprüfung folgt eine Sommer- und eine Winterausbildung und anschließend die Prüfung zum Bergretter. „Unser Ausbildungsteam leistet großartige Arbeit. Das ist ein wichtiger Teil unserer Ortsstelle und wesentlich, um die Sicherheit aller zu gewährleisten.“

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Frauen willkommen

In Kaltenbach gibt es derzeit sechs Anwärter. Nachwuchsprobleme hat der Verein nicht. „Es gibt immer wieder Anfragen engagierter junger Leute. Wir legen großen Wert auf die Ausbildung, schauen aber auch, dass die älteren Mitglieder gut eingebunden werden“, sagt Wierer. Im aktiven Einsatz sind Bergretter bis zu einem Alter von 65 Jahren.

Bei der Bergrettung Kaltenbach sind auch Frauen herzlich willkommen. Seit mehr als 30 Jahren sind sie aktiv dabei. Derzeit hat die Bergrettung zwei weibliche Mitglieder. „Nicht das Geschlecht, der Wille zum Tun ist ausschlaggebend“, schildert Andreas Wierer. Für die Frauen bedeutet das, die gleichen Bedingungen wie für die männlichen Kollegen, also auch den gleich großen und schweren  Rucksack mit Ausrüstung zu tragen.

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Appell an Bergsportler: Für den Ernstfall versichern

Heuer hat die Bergrettung ein Raupenfahrzeug angekauft: „Das hilft uns sehr, unsere Einsätze noch professioneller abzuwickeln. Heuer im Frühling soll das neue Bergrettungshaus fertig werden. Darauf freuen wir uns schon sehr“, so Wierer. Spenden, Sponsoren und öffentliche Beiträge ermöglichen solche Investitionen.

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Die Bergrettung stellt für die Einsätze eine Rechnung an den Verunfallten oder in Not geratenen. Eine eigene Versicherung, kann diese Bergungskosten übernehmen. Dieses Geld wird in erster Linie für Material- und Ausbildungskosten aufgewendet. Für viele persönliche Ausrüstungsgegenstände kommen die Bergretter aber selbst auf.

Wofür Andreas Wierer daher kein Verständnis hat, ist, wenn passionierte Bergsportler nicht ausreichend versichert sind. Ein Rettungseinsatz kostet schnell mehrere tausend Euro. Dass möglicherweise die Retter darauf sitzen bleiben, das kann nicht sein.

„Wer viel am Berg unterwegs ist, muss versichert sein. Es gibt günstige Angebote für die ganze Familie.“ Zum Beispiel über eine Mitgliedschaft bei der Bergrettung (um 24,- Euro pro Jahr) oder bei alpinen Vereinen.

Wer Förderer der Bergrettung werden möchte, findet hier alle Informationen. 

Fotos: Bergrettung Kaltenbach

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