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Almabtrieb im Zillertal: Buntes Fest zum Sommerende

Almabtrieb im Zillertal

Almabtrieb im Zillertal. Grüne, bewirtschaftete Wiesen bis hoch auf die Berge hinauf, dafür ist die Almwirtschaft verantwortlich. Von Mai/Juni bis September/Oktober genießt das Vieh die Freiheit auf der Alm im Zillertal, bevor es im Herbst in die heimatlichen Ställe heimkehrt. Ist alles gut gegangen, wird das beim Almabtrieb mit bunt geschmückten Tieren und fröhlichen Festen gefeiert.

160.000 Rindern auf über 2.000 Almen

Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen sind es, die diese Sommerfrische im Zillertal genießen. Hier eine kleine Statistik: Über 2000 Almen gibt es in Tirol. 47% oder 6000 km² der Landesfläche Tirols sind Almen. Reine Futterflächen sind ca. 160.000 ha. Rund die Hälfte des Rinderbestandes verbringt den Sommer auf der Alm. 116.000 Rinder, 3150 Pferde, 72.600 Schafe und 5700 Ziegen werden gealpt.

Wobei es natürlich im Grunde nicht um eine Sommerfrische ging, sondern um Almwirtschaft. Almflächen zu schaffen und diese für die Tiere zu nutzen, das hatte ganz einfach den Grund, mehr Tiere halten zu können und das Futter im Tal als Wintervorrat anlegen zu können.

Die Arbeit der Hirten und Senner auf der Alm war hart. Sie mussten auf die Tiere aufpassen, sie lange Zeit händisch melken und meist wurde die anfallende Milch zu lange haltbarem Käse oder Butter verarbeitet. Oft sind auch die Menschen wochenlag nicht ins Tal gekommen. In zahlreichen Volksliedern wird die Almwirtschaft der Vergangenheit besungen.

Almwirtschaft wurde schon in der Jungsteinzeit betrieben

Wissenschaftliche Untersuchungen dazu betreibt zum Beispiel das Institut für Hochgebirgsforschung der Universität Innsbruck. Es zeigte sich, dass Bergweiden bereits in der Jungsteinzeit wirtschaftlich genutzt wurden. Pollenanalytische Untersuchungen haben ergeben, dass im hinteren Ötztal schon vor 6000 Jahren Almen beweidet wurden. Später wurden mehr Flächen und auch bis in eine größere Höhe hinauf gerodet. Die jetzige Almwirtschaft gibt es im Grunde seit dem Mittelalter. (Quelle: Land Tirol, Tirol Werbung)

Almwirtschaft heute

Heute hat die Almwirtschaft eine wichtige Rolle für das Landschaftsbild. Ein Rind grast jeden Tag 100 m² Wiese ab, pflegt und düngt sie so und schützt sie vorm Zuwachsen.

Wenn die Tage kürzer und die Nächte kühler werden, ist es Zeit das Vieh beim Almabtrieb ins Tal zu holen. Die Almwiesen bieten nicht mehr genügend Futter und schon im September kann ein Kälteeinbruch am Berg große Mengen Schnee bringen. Dann muss es schnell gehen.

Beim Almabtrieb wird ein erfolgreicher Sommer gefeiert

Das Leben am Berg kann hart sein. Immer wieder kommt es vor, dass sich Tiere auf der Alm verletzen, abstürzen oder vom Blitz erschlagen werden. Ist aber ein Almsommer ohne Unfälle zu Ende gegangen, wird das mit festlich geschmückten Tieren beim Almabtrieb gefeiert. Der bunte Kopfschmuck variiert je nach Region zudem tragen die Kühe große Glocken an breiten, oft kunstvoll bestickten Lederbändern.

Prunkvoll geschmückt geht es nach dem Almsommer wieder hinunter ins Tal

Für den Kopfschmuck werden meist Latschen-, Tannen- oder Almrosenzweige verwendet, die mit bunten Seidenblumen und Stoffbändern verziert sind. Auch Gesichtsmasken mit Sprüchen oder Heiligenbilder findet man beim Zillertaler Almabtrieb, ebenso wie Kronen oder Kreuze.

Während manche Bauern sich von Traktoren oder Lkw beim Almabtrieb unterstützen lassen, gibt es immer noch welche, die den gesamten Weg ins Tal zu Fuß zurücklegen. Aufgebüschelt, also geschmückt, werden die Tiere meist erst wenn flacheres Gelände beginnt.

Trifft man auf einen solchen Almabtrieb-Zug, bekommt man wahrscheinlich von den Hirten gleich ungefragt einen Flachmann mit selbstgebranntem Schnaps gereicht. Der gehört an diesem Tag einfach dazu. Im Tal wird der Almabtrieb dann meist bei einem Volksfest gefeiert. Mit zünftiger Musik und traditionellen Speisen wie Melchermuas, Krapfen oder Kiachl.

Gelebte Traditionen

Zwar haben Almabtriebe mitunter den Ruf einer Touristenattraktion, aber das stimmt nicht ganz. Im bäuerlichen Jahreskalender spielen sie eine bedeutende Rolle und haben eine lange Tradition. Es ist ein besonderer Tag, an dem auch die Einheimischen gerne zum Feiern zusammen kommen.

Wer also die Gelegenheit hat, bei einem Almabtrieb im Zillertal dabei zu sein, sollte sich diese keinesfalls entgehen lassen.

Die Almabtriebe in den Orten der Ersten Ferienregion sind am 17. / 24.09. + 01.10.2016. Nähere Details hierzu gibt’s auf best-of-zillertal.at

Fotos: Julia Hitthaler

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